Der webdoc

Die Macher der Bolivia’s Everyday Water War

Im Juli beschlossen wir, das Gesicht von Marcela zu offenbaren, eine unserer Protagonistinnen, die Sie auf den Spuren des Wasserkriegs begleiten werden. Dabei ist „Bolivia’s Everyday Water War“ eine Geschichte mit vielen Charakteren, in der sich die Kämpfe, Niederlagen und Siege mit den Leben von mehr als 20 interviewten Personen kreuzen. Unser Ziel ist, ein erschöpfendes Bild zu zeichnen, und das Menschenrecht auf Wasser ist ein Bild mit vielen Facetten.

Allerdings werden Sie nicht alle Gesichter in der Webdoku zu sehen bekommen. Die Gesichter jener Personen, die durch die kalten Winde der Anden stapften und schlaflose Nächte dabei verbrachten, alle Stücke zusammenzufügen, bleiben unerkannt. Das sind die Autoren von „Bolivia’s Everyday Water War“:

Michele Bertelli (@MikeBertelli) ist freier Journalist und Filmemacher. Er hat für Medien wie Al Jazeera, El País, Der Spiegel, Die Zeit, Vice und La Repubblica TV berichtet. Ihn interessieren die ungewöhnlichen Geschichten, häufig rund um Themen wie Migration und Entwicklung, und konzentriert sich seit einigen Jahren auf Webdokumentationen und Onlinevideoformate. Derzeit lebt Michele in Rom, wo er unter anderem für das italienische Parlament produziert. Aber noch immer hört er lärmige Musik und hat den Backpack immer griffbereit.

Felix Lill (@FelixLill) ist ein freier Journalist aus Deutschland, der nach den Olympischen Spielen 2012 von London nach Tokio zog. Derzeit teilt er sich sein Jahr hauptsächlich zwischen Tokio und Berlin auf, schreibt für Die Zeit, Der Spiegel, Die Presse, Neue Zürcher Zeitung, Tagesspiegel, Zeit Online und weitere Medien. Die meisten seiner Themen drehen sich um Wirtschaft, Politik oder Sport. 2010, 2011 und 2012 wurde er unter anderem mit dem Österreichischen Sportjournalistenpreis ausgezeichnet.

Javier Sauras (@jsauras) ist ein Nomade, Journalist und Fotograf, der es in den letzten fünf Jahren in diverse Orte zwischen Asien und Lateinamerika gebracht hat, schrieb und fotografierte unter anderem von den Philippinen und China, über Spanien, Großbritannien und die USA nach Bolivien. Sesshaft geworden ist er noch nicht.

Wassermusik

Heimat ist, wo die Freunde sind. Nach einem Jahr Arbeit fühlen wir uns deshalb ein wenig bolivianisch, Dank all den Menschen, die wir zurückgelassen haben (nicht alle von ihnen kommen in der Doku vor) und die uns ihre Geschichten erzählten.

Auf unsere großartigen Kollegen Celia und Genciano trafen wir, als wir in La Paz über den Bürgersteig liefen. Celia Pérez Martín ist Sozialarbeiterin mit Schwerpunkt „Gender und Entwicklung“, Genciano Pedriel Jare ist Tontechniker und Professor an der Universidad Autónoma del Beni. Beide sind auch noch Musiker. Der Doku „Boliviens täglicher Wasserkrieg“ haben sie ihre Ohren und ihren vorzüglichen Geschmack geliehen. Genciano ist für das audio editing zuständig, beide zusammen haben die Klänge ausgewählt.

Celia und Genciano haben drei Bands aus den Anden gefunden, die bereit waren, den Soundtrack für „Boliviens täglicher Wasserkrieg“ zu liefern: Awatiñas, Andes Manta Music und Toldería.

Die Awatiñas sind eine bolivianische Folkgruppe, die seit 1970 zusammen ist, gegründet von Brüdern aus zwei Familien, Conde und Beltrán. In der Sprache Aymara bedeutet das Wort Awatiña so viel wie: „diejenigen, die sich sorgen.“ Die Awatiñas singen auf Spanisch und Aymara, spielen andinische Instrumente wie Flöte, Sikus, Charango und Quenas. Erklärtes Ziel der Gruppe ist, über die Aufrichtigkeit und kulturelle Erhaltung der indigenen Völker Boliviens zu wachen. Mit mehr als zehn Alben auf dem Buckel und mehreren Tourneen durch Lateinamerika und Europa zählen sie zu den bekanntesten Bands Boliviens.

Die Andes Manta Music kommen aus Peru, die Bandmitglieder stammen aus verschiedenen Regionen in den Anden, leben heute aber in New York. Mit ihrer populären Musik laden sie dazu ein, sich ihre kulturellen Ursprünge mit den reichen und manchmal unheimlichen Klängen des Regenwalds vorzustellen. Ihre Musik ist tief im Erbe der alten Inka und deren Vorfahren verwurzelt, gespielt mit höchster Authentizität durch andinische Instrumente. Die Gruppe hat mehrere Alben veröffentlicht, die Welt bereist und zählt als wahre Ikone andinischer Musik.

Toldería ist eine mittlerweile legendäre lateinamerikanisch-spanische Band. Ihr Entstehen verdankt sie dem valencianischen Musiker Gonzalo Reig, vorher langjähriges Mitglied der Gruppe Los Calchakis, die zu den wichtigsten lateinamerikanischen Gruppen in Europa zählt. Reig nutzte seine Erfahrungen bei Los Calchakis in Paris und zog nach Madrid, wo er Toldería gründete.

Wir sind froh, dass wir Ihnen nun eine halbstündige Reise durch die musikalischen Höhen der Anden präsentieren können. Drücken Sie auf „Play“ und lassen Sie Ihre Gedanken fliegen!

Was ist interaktiver Journalismus?

Am Anfang von “Boliviens täglicher Wasserkrieg” entschieden wir uns in der Darstellungsform für eine interaktive Dokumentation. Wir wollten es unserem Publikum ermöglichen, ungewöhnlich tief in die Story einzutauchen und eine Beziehung zu den Protagonisten aufzubauen. Das nennt sich “immersive journalism” – eine interaktive Spielart des Journalismus, die die neuesten Entwicklungen des Datenjournalismus aufgreift.

Manchmal werden wir gefragt, was denn der Unterschied sei zwischen dieser Form und dem klassischen erzählenden Journalismus. Für die Erklärung ist dieser Blogeintrag da.

Zunächst erlaubt interaktiver Journalismus eine intime Nähe zwischen der Story und dem Publikum, weil die Handlung aus der Perspektive eines Protagonisten verfolgt werden kann und nicht bloß aus Sicht der Reporter. Zusätzlich können tiefere Analysen und Daten zur Verfügung gestellt werden, als eine Art schöpferisches Gemeingut.

Interaktiver Journalismus verbindet Video, Bild, Ton, Text und bewegte Grafiken, und immer ist das zu sehen, was sich der Nutzer gerade ansehen möchte. Diese neuen Formate stützen sich meistens auf soziale Netzwerke und werden für Smartphones und Tablets angepasst. Und da sich bisher keine bestimmte Form etabliert hat, gibt es bisher ungefähr so viele verschiedene Ansätze wie Arbeiten des interaktiven Journalismus überhaupt. Hier empfehlen wir drei Beispiele, die uns gefallen:

Das ist natürlich nur die Spitze des Eisbergs. Die Journalistin Eva Domínguez gibt in ihrem Blog viele weitere Beispiele. Sehen Sie sich ihren Blog an, der einen Blick auf neuesten Trends im Journalismus wirft.

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